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Hitachi

Social Innovation

    • KI
    • Analytik

    Die sog. FinTech, d. h. die innovative Finanztechnologie, verändert die heutige Finanzdienstleistungsindustrie - mit vollkommen neuen Serviceleistungen, die schon jetzt weltweit zum Einsatz kommen. Auch der Versicherungsbranche stehen Veränderungen bevor - durch die sog. InsurTech, also die moderne Versicherungstechnologie. (InsurTech ist ein Kofferwort aus den englischen Begriffen Insurance (‚Versicherung‘) und Technology (‚Technologie‘).)

    Eines der Unternehmen, die sich verstärkt um InsurTech bemühen, ist die große japanische Versicherungsgesellschaft Dai-ichi Life Insurance Co.,Ltd. Im Rahmen einer Forschungszusammenarbeit mit Hitachi, die auf medizinische Big Data setzt, führt der Versicherer Neuerungen in seinem Lebensversicherungsgeschäft ein. Diese sollen dem Kunden sein Leben lang umfassende Sicherheit und Gesundheitsvorsorge bieten.

    Die Fallstudie im Überblick

    • Herausforderung
      Die Notwendigkeit, Fragen, die sich im Versicherungsgeschäft stellen, durch digitale Innovationen mithilfe medizinischer Big Data zu beantworten.
    • Lösung
      Im Rahmen einer Forschungszusammenarbeit mit Hitachi wurde ein quantitatives Bewertungsmodell entwickelt, das die Wahrscheinlichkeit von Krankenhausaufenthalten und deren Dauer aufgrund von Zivilisationskrankheiten Erwachsener prognostiziert.
    • Ergebnis
      Dai-ichi Life konnte seine versicherungstechnischen Kriterien so anpassen, dass auch Kunden, die zuvor wegen ihres Gesundheitszustands nur schwer zu versichern waren, nun einen Versicherungsschutz erhalten konnten. Das Unternehmen erwartet rund 2.000 Neuabschlüsse innerhalb eines Jahres.
    • Vision
      Durch Innovationen das Potenzial im Lebensversicherungsgeschäft steigern, um für den Kunden ein lebenslanger Partner zu sein und Lebensqualität sowie eine gesunde Lebenserwartung zu fördern.

    Herausforderung

    Die effektive Nutzung medizinischer Big Data ist für die digitale Innovation von zentraler Bedeutung.


    Die japanische Gesellschaft altert rasant. Bis 2025 werden rund 18 % der japanischen Bevölkerung über 75 Jahre alt sein. Rund 10 Millionen Menschen in diesem Land leiden an Diabetes, ein Rekordwert. Für Japan ist es von entscheidender Bedeutung, ein System zu schaffen, das den Menschen eine hohe Lebensqualität ermöglicht. Hierzu müssen die Prävalenz und Schwere von Zivilisationskrankheiten verringert und eine Ausweitung der nationalen Gesundheitsausgaben verhindert werden.

    Die Hoffnung wächst, dass digitale Innovationen mithilfe von Big Data oder künstlicher Intelligenz (KI) zur Lösung dieser Fragen beitragen können.


    So könnte beispielsweise die komplexe Analyse von Gesundheitsdaten von medizinischen Einrichtungen, Krankenkassen und anderen Organisationen eine frühzeitige Erkennung verschiedener Erkrankungen ermöglichen und deren Tendenz erfassen. Diese Erkenntnisse könnten zur Verbesserung der Qualität der Präventivmedizin, der Pflege und des Gesundheitsschutzes genutzt werden. Mit anderen Worten: Medizinische Big Data kämen auf den Prüfstand, um neuen Mehrwert zu schaffen.

    Lösung

    Gemeinsame Forschungsarbeit mit Hitachi zur Überprüfung der Kriterien für das Versicherungsgeschäft, um die Eintrittsmöglichkeiten für Versicherungsnehmer zu erweitern.

    Schon jetzt sehen wir, wie die Innovationen Früchte tragen. Eines der führenden Unternehmen ist hierbei der große japanische Versicherer Dai-ichi Life.

    Dai-ichi Life möchte seine Rolle als Anbieter von umfassender Sicherheit und Gesundheitsvorsorge, die sich an der Lebensdauer seiner Kunden orientiert, stärken und bündelt daher seine InsurTech-Aktivitäten, um eigene Innovationen im Bereich der Lebensversicherung voranzubringen, die es „InsTech“ nennt. Das Versicherungsunternehmen brachte rund 30 Top-Talente aus verschiedenen Abteilungen zusammen, um das InsTech Innovation Team zu gründen, das Fortschritte in drei strategisch entscheidenden Bereichen anstrebt: Gesundheit, Risikoprüfung und Marketing.

    Doch ganz allein wollte Dai-ichi Life das Gebiet der InsurTech nicht beschreiten, denn es verlangt modernste Technologie und umfassendes Fachwissen. Deshalb holte sich das Unternehmen für die Entwicklungstätigkeit Unterstützung von außen und ging eine externe Kooperation mit anderen Branchen ein.

    „Angesichts der vielen bereits entstandenen branchenübergreifenden Kooperationsmodellen ist Selbstzufriedenheit in der Lebensversicherungsbranche fehl am Platze.“, betont Kenji Itaya, Leiter der versicherungstechnischen Produkt- und Dienstleistungsentwicklung im InsTech Innovation Team. "Tatsächlich haben andere Sektoren neue Perspektiven und Hinweise, die wir selbst nicht erkennen konnten. Um innovativ zu sein, müssen wir Synergien schaffen, von denen beide Seiten profitieren.“

    Dementsprechend nahm Dai-ichi Life im September 2016 die gemeinsame Forschungsarbeit mit Hitachi auf. In ungefähr einem Jahr entwickelten beide ein quantitatives Bewertungsmodell, das die Wahrscheinlichkeit von Krankenhausaufenthalten und deren Dauer aufgrund von Zivilisationskrankheiten Erwachsener prognostiziert.

    Dieses Modell war das Ergebnis von drei Elementen: Medizinische Big Data zu rund 10 Millionen Dai-ichi Life Versicherungsnehmern, medizinische Fachkenntnisse aus der Versicherungstechnik und das Analyse-Know-how der Hitachi Technologie zur Prognose von Gesundheitsausgaben*. Dai-ichi Life nutzte das Modell zur Anpassung seiner versicherungstechnischen Kriterien und konnte so einige Bluthochdruckpatienten versichern, die in akuter Behandlung waren.

    „Zuvor waren die Türen zur Lebensversicherung entweder offen oder geschlossen.“, so Itaya, „Menschen mit gesundheitlichen Problemen – also die, die die Versicherung am nötigsten hatten,- mussten höhere Beiträge als üblich zahlen. Um unseren sozialen Auftrag als Versicherer zu erfüllen, wollten wir einen Versicherungsschutz anbieten, der mehr Kundensicherheit und Sorgenfreiheit bietet. Hierzu setzten wir auf InsTech und bieten nun allen die gleichen Beiträge an.“

    Dr. Kei Adachi, der sich als Versicherungsarzt um die versicherungstechnischen Bewertungen kümmert, erklärt: „Erwachsene mit Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes stellen in Japan die Gruppe mit der höchsten Prävalenz und dem größten Risiko dar. Da diese Erkrankungen zu lebensgefährlichen Schlaganfällen oder Herzinfarkten führen können, machen sich die Betroffenen mehr Sorgen als diejenigen, die nicht darunter leiden. Deshalb haben wir begonnen, dieses Modells zu entwickeln.“

    In der Regel fiel die Entscheidung der Versicherer einheitlich aus, wenn es darum ging, Menschen mit Zivilisationskrankheiten oder entsprechenden Vorerkrankungen zu versichern bzw. spezielle Verträge mit ihnen abzuschließen. Doch wer die gleiche Krankheit hat, ist noch längst nicht dem gleichen Risiko ausgesetzt. Das quantitative Bewertungsmodell ermöglichte eine detaillierte Entscheidungsfindung, um den Versicherungsschutz für jeden Einzelnen zu beurteilen.

    Warum hat sich das Unternehmen bei diesem Projekt für Hitachi als Partner entschieden? Weil Hitachi dank seiner Erfahrungen, die es bei einer Reihe von Initiativen im Laufe der Jahre gewonnen hat, bereits verschiedene Fragestellungen im Gesundheitswesen lösen konnte.

    Hitachi hat eine Vielzahl medizinischer Technologien und Lösungen entwickelt, unter anderem in der diagnostischen Bildgebung, insbesondere für die Magnetresonanztomographie und die Ultraschalldiagnostik. Weiterhin hat es elektronische Patientenakten und Testsysteme für Krankenhäuser und medizinische Einrichtungen in Japan und anderen Ländern entwickelt.

    Zudem hat das Unternehmen ein Krankheitsverlaufsmodell entwickelt, das mithilfe künstlicher Intelligenz die Inzidenzraten von Zivilisationskrankheiten und die gesamten Gesundheitskosten vorhersagt. Ausgehend von diesem Modell entwickelte es eine Lösung zur Kontrolle der jährlichen medizinischen Ausgaben für Zivilisationskrankheiten. Die gemeinsame Forschungsarbeit mit Dai-ichi Life stützte sich weitgehend auf die fortschrittlichen Technologien und das Know-how von Hitachi.

    Noch vor Beginn dieser Forschungszusammenarbeit vergewisserte sich Hitachi mithilfe von NEXPERIENCE, einem systematischen Prozess der kreativen Zusammenarbeit mit dem Kunden zur gemeinschaftlichen Ausarbeitung eines neuen Unternehmensziels oder Geschäftsmodells, dass die Kooperation mit Dai-ichi Life gut funktionieren würde. Die beiden Unternehmen führten weitreichende Gespräche über die Kundenwertschöpfung mit InsTech. Im Rahmen eines gemeinsamen Workshops tauschten sie ihr Wissen aus und stellten Prognosen für die nächsten 10 bis 20 Jahre auf.

    *
    Die Technologie wurde von Hitachi und der Hitachi Health Insurance Society gemeinsam entwickelt, um die Inzidenzraten von Zivilisationskrankheiten und die gesamten Gesundheitsausgaben im Voraus zu berechnen. Bei der Entwicklung der Technologie wurden anonymisierte Arztrechnungen und spezifische Befundungsdaten verwendet.

    Ergebnis

    Voraussichtlich 2.000 neue Versicherungsnehmer werden dank der angepassten versicherungstechnischen Kriterien pro Jahr abgedeckt.

    Während der Entwicklung eines quantitativen Bewertungsmodells zur Vorhersage der Wahrscheinlichkeit von Krankenhausaufenthalten und deren Dauer aufgrund von Zivilisationskrankheiten Erwachsener (was das erste Forschungsthema war), arbeiteten die Hitachi-Analyseexperten ein Jahr lang hauptberuflich bei Dai-ichi-Life in der Abteilung Risikoprüfung von Lebensversicherungen. Dank ihrer Präsenz vor Ort entwickelten sie nach und nach ein Verständnis für die Art der Versicherungsnehmerdaten (Informationen beim Versicherungsabschluss, Status bei Krankenhauseinweisung nach einer längeren Zeit usw.) und für die Beurteilungskriterien. Sie entwickelten auch eine Methode, um Risiken für Personen mit mehreren Krankheiten zu analysieren und die Belege für diese Analyseergebnisse zu visualisieren. Dazu nutzen sie die medizinischen Daten, z. B. ärztliche Untersuchungen und Versicherungsansprüche der 110.000 Mitglieder der Hitachi Health Insurance Society. In die Auswertung und Validierung der Ergebnisse investierten sie viel Zeit und Mühe.

    Dr. Adachi ist mit der Zusammenarbeit seines Unternehmens mit Hitachi sehr zufrieden: „Unsere Hypothese besagte, dass das Risiko trotz Bluthochdruck-Symptomen, Krankenhausaufenthalten und Operationen aufgrund des Symptoms nicht höher ist als bei einem gesunden Menschen, wenn die Situation durch Krankenhausbesuche und entsprechende Medikation richtig kontrolliert wird. Wir fanden es sehr bedeutsam, dass wir diese Hypothese mit dem Modell zur Vorhersage von Einweisungswahrscheinlichkeiten überprüfen konnten. Zudem ist es ein großer Durchbruch, dass wir jetzt die Gesundheitsrisiken von Menschen mit mehreren Krankheiten vorhersagen können.“

    Die harte Arbeit beginnt allmählich, konkrete Früchte zu tragen. Dank der Anpassung der versicherungstechnischen Kriterien anhand dieses Modells konnten über 300 Kunden, die zuvor wegen ihres Gesundheitszustands fast nicht versicherbar waren, nun einen Versicherungsschutz erhalten - und dies bereits einen Monat, nachdem Dai-ichi Life die neuen Kriterien im Juli 2017 einführte. „In ca. einem Jahr werden wir weitere 2.000 Menschen versichern können, die zuvor nur schwer einen Versicherungsschutz bekommen haben.“, freut sich Dr. Adachi.

    Das neue Geschäftsmodell zur Erweiterung des Versicherungskundenstamms bei gleichzeitiger Kontrolle der Risiken hat enorme Auswirkungen auf die Lebensversicherungsbranche, die angesichts der sinkenden Zahl der Versicherten und der rückläufigen Geburtenrate besorgt ist. Auch die Geschäftsführung von Dai-ichi Life war sehr zufrieden mit diesem Ergebnis und plant den weiteren Ausbau seiner Dienstleistungen, um seine „Customer First“-Philosophie umzusetzen.

    Vision

    Ein lebenslanger Partner, der zur Förderung der Lebensqualität und der gesunden Lebenserwartung beiträgt

    Aufgrund des Erfolgs ihrer ersten Bemühungen sind Dai-ichi Life und Hitachi im September 2017 nunmehr in eine zweite Phase ihrer gemeinsamen Forschung eingetreten. Sie betreiben Grundlagenforschung im Hinblick auf Veränderungen der individuellen Krankheitsbilder und Lebensgewohnheiten.

    Bei Lebensversicherungen entscheiden die Versicherungsgesellschaften in der Regel basierend auf dem Gesundheitszustand der Antragsteller, ob sie eine Abdeckung anbieten oder nicht. Doch das Risiko eines Krankenhausaufenthalts oder Todesfalls kann bei zwei Antragstellern mit dem gleichen Gesundheitszustand ganz unterschiedlich ausfallen, je nachdem, wie sich ihre Krankheitsbilder und Lebensgewohnheiten verändern. Daher plant Dai-ichi Life, den Versicherungsumfang zu überprüfen, Serviceleistungen zur Verringerung der Prävalenz und Schwere von Krankheiten zu entwickeln und die Gesundheit zu fördern. Hierzu sollen Veränderungen des Gesundheitszustands im Laufe der Zeit bewertet werden, anstatt die Menschen nur zum Zeitpunkt der Antragstellung zu beurteilen.

    „InsurTech-Initiativen, die nunmehr überall und nicht nur in unserem Unternehmen umgesetzt werden, werden mit hoher Wahrscheinlichkeit die Geschäftsmodelle der gesamten Lebensversicherungsbranche verändern“, ist sich Itaya sicher. „Bisher stand die finanzielle Unterstützung in Notfällen im Mittelpunkt unseres Modells. Doch wir werden mehr und mehr als lebenslanger Partner agieren, der zur Förderung der Lebensqualität und der gesunden Lebenserwartung eines jeden Kunden beiträgt.“

    Die Nutzung medizinischer Big Data ist ein Wendepunkt für das traditionelle Versicherungsgeschäft. Dai-ichi Life Insurance plant, durch die weitere branchenübergreifende Zusammenarbeit in Japan auch künftig Vorreiter für Innovationen in seiner Branche zu sein.

    Hitachi wird weiterhin mit anderen Unternehmen zusammenarbeiten, um fortschrittliche Gesundheitslösungen zu entwickeln, die zu mehr Lebensqualität, mehr medizinischer Qualität und einem gesunden und sicheren Leben in den Gesellschaften in aller Welt beitragen.

    Veröffentlichungsdatum: Februar 2018
    Lösungen von: Hitachi, Ltd. Financial Institutions Business Unit